
Ep. 25: Die Hotel-Lobby als Coworking-Space: Neue Erlösquellen erschließen
Die Lobby steht tagsüber halb leer – während nebenan Menschen verzweifelt einen Arbeitsplatz suchen. Das ist kein Schicksal, das ist eine Entscheidung.
Manuel Ribis – Room Service Podcast
Workation, Remote Work, digitale Nomaden – das sind keine kurzfristigen Trends mehr. Die Art wie Menschen arbeiten hat sich dauerhaft verändert. Und Hotels, die das ignorieren, lassen täglich Umsatz liegen. Die Lobby als reiner Durchgangsraum war gestern. Wer sie als produktiven Arbeitsraum denkt, erschließt eine Zielgruppe die Qualität schätzt – und bereit ist, dafür zu zahlen.
Warum die Lobby das unterschätzte Asset ist
In den meisten Hotels passiert in der Lobby tagsüber wenig. Check-in und Check-out sind die Peaks – dazwischen: Leere. Gleichzeitig suchen immer mehr Menschen einen Arbeitsplatz der nicht das heimische Sofa ist, aber auch nicht das sterile Open-Space-Büro. Einen Ort mit Atmosphäre, mit gutem Kaffee, mit zuverlässigem WLAN und einer gewissen Ruhe.
Hotels haben das alles bereits. Sie müssen es nur bewusst anbieten.

Die Zielgruppe: Wer arbeitet in Hotels?
Drei Gruppen mit echtem Potenzial:
- Hotelgäste die verlängert arbeiten. Der Businessreisende der am Nachmittag noch nicht abreisen will aber schon ausgecheckt hat. Statt im Taxi oder am Bahnhof zu sitzen: zwei Stunden produktiv in der Lobby mit Kaffee und WLAN.
- Externe Day-Worker. Lokale Freelancer, Remote-Mitarbeiter, Selbstständige die einen Tagesarbeitsplatz suchen. Diese Gruppe zahlt gerne – wenn das Angebot stimmt.
- Kleine Teams für informelle Meetings. Nicht jedes Meeting braucht einen Konferenzraum. Zwei bis vier Personen die sich in entspannter Atmosphäre treffen wollen – genau das bietet eine gute Hotel-Lobby.
Was die Lobby braucht – und was sie nicht braucht
Die gute Nachricht: Die meisten Hotels müssen nicht renovieren. Sie müssen umdenken und ein paar konkrete Dinge nachrüsten.
Was zählt:
- WLAN das wirklich funktioniert. Kein Pflichtpunkt den man abhakt – sondern echte Bandbreite, getestet, kommuniziert. Wer remote arbeitet, braucht Stabilität. Das ist K.O.-Kriterium Nummer eins.
- Steckdosen an den richtigen Stellen. Klingt banal – ist es nicht. Wer eine Stunde sucht bis er laden kann, kommt nicht wieder.
- Ruhezonen und Arbeitszonen trennen. Nicht die ganze Lobby umbauen – aber klare Bereiche schaffen. Hier Sofazone zum Entspannen, dort Tische mit gutem Licht zum Arbeiten.
- Kaffee der sich lohnt. Wer arbeitet, trinkt Kaffee. Wer guten Kaffee trinkt, bleibt länger. Wer länger bleibt, gibt mehr aus.
Was man nicht braucht: Einen eigenen „Coworking-Bereich“ mit Branding und neuem Mobiliar. Das ist nett – aber nicht notwendig. Der erste Schritt kostet kaum etwas.

Erlösmodelle: Wie verdient man damit Geld?
Drei Ansätze die in der Praxis funktionieren:
- Tages-Pass mit F&B-Inklusivleistung. Zum Beispiel: 25 Euro pro Tag – inklusive Kaffee, Wasser, Snack. Der Gast zahlt nicht für den Platz, er zahlt für das Paket. Psychologisch ein großer Unterschied. Und der F&B-Umsatz ist bereits eingepreist.
- Half-Day-Packages. Vier Stunden Vormittag oder Nachmittag, inklusive einem Getränk. Für Freelancer attraktiv die nicht den ganzen Tag buchen wollen.
- Meeting-Nook Buchung. Zwei bis vier Personen, zwei Stunden, inklusive Kaffee und Wasser. Preis: 40 bis 60 Euro. Kein Konferenzraum nötig – nur ein reservierter Bereich mit einem „Belegt“-Schild.
Wichtig: Nicht überverkomplizieren. Ein einfaches Angebot das wirklich funktioniert schlägt ein ausgefeiltes System das niemand versteht.

Der Nebeneffekt: Atmosphäre und Direktbuchungen
Eine belebte Lobby wirkt attraktiver als eine leere. Gäste die einchecken und eine produktive, angenehme Atmosphäre vorfinden – Menschen die arbeiten, trinken, entspannt unterhalten – erleben das Hotel als lebendigen Ort. Das hebt die Stimmung, steigert die wahrgenommene Qualität und fördert positive Bewertungen.
Und: Day-Worker die regelmäßig kommen lernen das Haus kennen. Wenn sie selbst verreisen oder Gäste empfehlen sollen – sie wissen wohin sie zeigen.
Workation-Pakete: Die nächste Stufe
Wer einen Schritt weitergeht, kombiniert Übernachtung und Arbeiten zu einem Workation-Paket. Drei bis sieben Tage, inklusive Zimmer, Frühstück, WLAN-Garantie, Tagespass für die Lobby. Zielgruppe: Remote-Mitarbeiter die Tapetenwechsel wollen ohne die Arbeit zu unterbrechen.
Diese Zielgruppe bucht in der Nebensaison, bleibt länger als klassische Touristen und gibt regelmäßig aus – F&B, Wellnessangebote, Abendessen. Der durchschnittliche Aufenthalt eines Workation-Gastes ist zwei bis dreimal so lang wie der eines klassischen Kurzurlaubers.
💡 Deine Hausaufgabe – kostenlos und sofort umsetzbar
Drei Schritte die du noch diese Woche machen kannst:
- Schritt 1: Lobby-Audit machen. Setz dich morgen um 10 Uhr in deine eigene Lobby und schau sie mit den Augen eines Remote-Workers an. Gibt es einen Platz mit gutem Licht und einer Steckdose in der Nähe? Wie ist das WLAN? Was fehlt?
- Schritt 2: Ein einfaches Tagesangebot formulieren. Kein großes Konzept – einfach: „Arbeitsplatz in der Lobby, ganzer Tag, inklusive Kaffee und Wasser, 20 Euro.“ An die Rezeption kommunizieren, auf der Website erwähnen. Das ist der Start.
- Schritt 3: WLAN-Speed testen und kommunizieren. Geh auf speedtest.net, mach einen Test in der Lobby. Wenn das Ergebnis gut ist – zeig es her. „100 Mbit/s garantiert“ auf einem kleinen Schild neben dem WLAN-Passwort ist mehr wert als jede Beschreibung.
Eine leere Lobby ist verschwendeter Raum. Eine belebte Lobby ist deine beste Visitenkarte.
Manuel Ribis – Room Service Podcast
Du willst das nicht alleine umsetzen? Kein Problem – genau dafür sind wir da.