Overtourism - Wenn der Gast zum Problem wird

Bonus: Overtourism – Wenn der Gast zum Problem wird

„Tourismus ist eine der mächtigsten Wirtschaftskräfte der Welt. Und wie jede Kraft kann sie aufbauen oder zerstören.“

Manuel Ribis – Room Service Podcast

Hallstatt. Venedig. Dubrovnik. Santorini. Namen, die Sehnsucht wecken – und gleichzeitig Debatten auslösen. Denn an diesen Orten ist Tourismus längst kein Segen mehr, der gleichmäßig verteilt wird. Er ist eine Flut, die Infrastruktur überwältigt, Wohnraum verdrängt, Einheimische vertreibt und das zerstört, was Reisende ursprünglich angezogen hat.

Overtourism ist kein Randphänomen. Er ist eine der zentralen Herausforderungen des modernen Tourismus – und er betrifft nicht nur weltbekannte Hotspots. Er betrifft jeden Betrieb, jede Region, jede Destination, die wächst ohne zu steuern.

Was Overtourism wirklich bedeutet

Overtourism beginnt nicht mit einem Knall. Er schleicht sich ein. Zuerst steigen die Besucherzahlen – und alle freuen sich. Dann werden die Straßen voller. Die Preise höher. Die Einheimischen ungeduldiger. Die Qualität des Erlebnisses sinkt – für Gäste und Locals gleichermaßen. Irgendwann kippen die Stimmung und das Image.

Das Paradoxe: Destinations werden Opfer ihres eigenen Erfolgs. Was sie attraktiv gemacht hat – Authentizität, Ruhe, lokale Kultur – wird durch unkontrollierten Zustrom systematisch abgebaut. Der Gast kommt wegen des Originals und findet eine Touristenkulisse.

Überfüllte alpine Seenlandschaft
AI generiert

Wer die Verantwortung trägt

Die einfache Antwort: alle. Die unbequeme Antwort: vor allem die, die verdienen.

Betriebe, die auf maximale Auslastung ohne Rücksicht auf die Destination optimieren, tragen zur Erosion ihres eigenen Standorts bei. Kurz gedacht ist das Wachstum. Lang gedacht ist es Selbstschädigung. Wer seine Destination kaputt macht, verliert irgendwann die Gäste, die genau wegen dieser Destination kamen.

Tourismusdestinationen, die keine Steuerungsmechanismen entwickeln – Besucherobergrenzen, Lenkung von Gästeströmen, Investitionen in lokale Infrastruktur – werden früher oder später gezwungen, reagieren statt gestalten. Und reaktives Management ist immer teurer als proaktives.

Ruhiges Alpendorf am Morgen
AI generiert

Was Betriebe konkret tun können

Kein einzelner Betrieb löst Overtourism. Aber jeder Betrieb kann Teil der Lösung sein – und hat dabei auch handfeste wirtschaftliche Interessen. Wer zur Qualität der Destination beiträgt, schützt langfristig seinen eigenen Standort.

Die Hebel sind bekannt: Entzerrung der Saison, Lenkung von Gästeströmen weg von überlasteten Hotspots, Preisstrategie die Qualität statt Masse anspricht, Kooperation mit lokalen Akteuren und Verbänden. Und die Bereitschaft, auch unbequeme Fragen zu stellen: Welche Gäste wollen wir eigentlich? Wie viele? Zu welchen Konditionen?

Hotelier blickt nachdenklich auf die Berglandschaft
AI generiert

Hausaufgabe

Drei Fragen für diese Woche:

  • Trägt dein Betrieb zur Qualität der Destination bei – oder zur Überlastung?
  • Welche Gäste willst du eigentlich anziehen – und welche Strategie steckt dahinter?
  • Wie positioniert sich deine Region gegenüber Overtourism – und bist du Teil dieser Diskussion?

Wer seine Destination ausbeutet, sägt an dem Ast, auf dem er sitzt.

Manuel Ribis – Room Service Podcast

🎙️ Room Service – Der Podcast für besseres Gastgebertum. Jeden Freitag neu – für alle, die Gastgebertum ernst nehmen.

Autor: Manuel Ribis GmbH  ·  6. Juni 2026, 12:00 Uhr  ·  © Urheberrechtlich geschützt
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